Warum Turnen mit Kindern mich verändert hat

 

Ich muss zugeben, als ich mit 14 Jahren meinen Vorturner- und mit 16 Jahren meinen Trainerschein gemacht habe, hatte ich noch nicht so viel Ahnung vom Turnen, wie das heute der Fall ist. Sicherlich, man war ja selbst Turner und kannte sich ein bisschen aus und auch die zweiwöchige Ausbildung samt Lehrprobe hat einiges zu meinem jetzigen Wissen beigetragen. Aber niemand kann dich darauf vorbereiten, wie es ist, selbst mit Kindern in der Turnhalle zu stehen und Training zu geben. Man verändert sich schlichtweg dadurch.

 

Das meine ich durchaus im positiven Sinne: ein sicheres Auftreten war der erste Schritt in der Entwicklung. Wenn man als Trainer ernst genommen werden möchte, muss man gleichzeitig der beste Freund und ein strenger Lehrer sein. Mein Opa nannte das, das „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip. Nach einer gewissen Zeit als Trainer im Turnen machte ich eine Pause einerseits vom Turnen selbst und andererseits vom Trainer sein. In dieser Zeit lernte ich ein paar tolle Menschen kennen, speziell von meinem Leichtathletiktrainer konnte ich mir viel abgucken.

 

Meine Pause vom aktiven Turnen war relativ schnell wieder vorbei, als Trainer setzte ich jedoch noch länger aus. Warum? Ich wechselte in einen Turnverein, in dem es einige hervorragende Trainer aus allerlei verschiedenen Sparten gab, die allesamt ein enormes Wissen über Turnen und Körpermechanik haben. Dort habe ich sehr viel gelernt, besonders über Methodik zum Erlernen neuer Elemente. Meine Hilfe war dort nur selten gefragt und ich konnte mich um mein eigenes Training kümmern. Noch heute hole ich mir dort Rat, wenn ich mal nicht weiterkomme.

 

Mittlerweile bin ich über 26 Jahre alt und auch wieder seit etwa 3 Jahren als Trainer im Turnen tätig. In dieser Zeit habe ich die wohl größte persönliche Veränderung durchgemacht. Wenn man vor einer Gruppe Kinder steht und gewisse Dinge erklären möchte, ist es doch zuweilen hilfreich, wenn man das auch selbst vorzeigen kann. Am Anfang bin ich hier doch häufiger an meine Grenzen gestoßen. Besonders im Bereich Beweglichkeit. Also ging das Training los. Beweglichkeit – das bedeutet für mich laufenden Stock tägliches Dehnen und Mobilisation. Als nächstes merkt man, dass für manche Geräte doch etwas die Kraft fehlt. Also auch hier gearbeitet. Man liest sich über bestimmte Sachen schlau und kommt vom einen Thema ins nächste. „Du bist so alt wie deine Wirbelsäule.“ Na super, also bin ich ungefähr hundert Jahre alt. Ernährung, ein weiteres großes Themengebiet, das mich besonders beschäftigt, seit ich alleine wohne. Ihr seht, wo das ganze hinführt.

 

Es hilft, zu wissen, wo die eigenen Baustellen liegen, so kann man gezielt daran arbeiten. Dass das Projekt „Ich“ niemals abgeschlossen sein wird, sollte jedem klar sein. Dennoch – jeden Tag ein Stückchen Verbesserung bringt in der Summe die großen Veränderungen. Wenn ich an mir selbst arbeite, bekomme ich auch die Erfahrung anderen zu sagen, was bei mir funktioniert hat, was vielleicht nicht funktioniert hat, was vielleicht funktionieren könnte. „Practice what you preach“ ist die Devise!

 

Aktuell würde ich sagen, es sind genau diese kleinen Fortschritte, die mich zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin. Das Ziel ist aber nicht, diesen Stand zu halten, sondern sich weiterzuentwickeln. Und wenn ich jede Woche zweimal in der Turnhalle stehe und mit Kindern arbeite, sehe, was diese bereits in ihren jungen Jahren in der Lage sind zu leisten, motiviert mich das einerseits an mir selbst zu arbeiten und andererseits anderen zu helfen, ihre persönlichen Grenzen auszuloten und vielleicht sogar zu übertreffen.

 

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